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Girokonto - Luxus oder Nowendigkeit?

Die österreichischen Banken sind überzeugt, dass es sich auch ohne Girokonto gut leben lässt. Schuldnerberater und die Europäische Kommission sehen das anders.

Stichworte: Arbeitslosigkeit | Bankgespräch | Schuldenregulierung

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Das Problem ist den meisten, die in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht sind, bekannt: die Konten werden geschlossen, Banken lösen die Geschäftsbeziehungen auf. Und dann gleicht es einem Spießrutenlauf, selbst ein Konto ohne Überziehungsrahmen zu bekommen.

In seiner Diplomarbeit nahm sich Thomas Valina dieses Themas an und beleuchtete es sehr ausführlich. Hintergrund dafür ist auch, dass die Europäische Kommission in diesem Bereich Handlungsbedarf sieht. Ein offenes Konsultationsverfahren wurde gestartet und Stellungnahmen aus den einzelnen Mitgliedsländern wurden dazu eingeholt.

Während Schuldnerberater, Konsumentenvertreter und Europäische Kommission hier Handlungsbedarf sehen, sprechen sich die österreichischen Banken und die Wirtschaftskammer gegen eine Regulierung aus. Nur wenige seien von dem Problem betroffen, außerdem könne man auch ohne Girokonto leben. Es bedürfe daher keiner Regelung, die ein Recht auf ein Girokonto impliziere.

Wie lebt es sich ohne Girokonto?

So wie wir erst bei einem Stromausfall merken, wie wichtig der Strom aus der Steckdose ist, so merken viele erst wenn das Konto weg ist, wo es überall fehlt:

  • Löhne und Gehälter werden schon lange nicht mehr im Lohnsackerl ausbezahlt. Kann ein Bewerber um einen Job keine Kontoverbindung angeben, stehen die Chancen von Anfang an schlecht. Das ist ein besonders kritischer Aspekt, denn ohne regelmäßiges Einkommen durch einen Arbeitsplatz ist es kaum möglich, die Schulden in den Griff zu bekommen.
  • Immer mehr Unternehmen gehen dazu über, einen Vertrag mit Kunden nur mehr bei einer aufrechten Kontoverbindung einzugehen. Das gilt bei einigen Energieanbietern, im Bereich Telefonie/ Internet, auch bei Mietverträgen wird häufig eine aufrechte Kontoverbindung vorausgesetzt. Außerdem bieten viele Dienstleistungsunternehmen für Kunden, die im Lastschriftverfahren abbuchen lassen, ermäßigte Gebühren an. Auch dieser Kostenvorteil kann nur genutzt werden, wenn ein Konto vorhanden ist.
  • Besteht die Möglichkeit, mit Erlagschein zu bezahlen, so kommt das teuer. Bei Girokonten sind in aller Regel im Preis Pakete für eine bestimmte Zahl an Überweisungen inkludiert. Für (zusätzliche) Online-Überweisungen muss man mit Kosten von 50 Cent bis zu einem Euro rechnen. Einzahlungen per Erlagschein kosten bis zu sieben Euro.

Bislang kein Recht auf ein Konto

Ein Leben ohne Girokonto ist also vergleichsweise teuer und die Chance auf eine Beschäftigungsaufnahme wird dadurch erheblich reduziert. Die gemeinnützigen Schuldnerberatungen und die Arbeiterkammer verlangen daher bereits seit Jahren ein verbrieftes Recht auf ein Konto.

Möglich wäre eine Regelung wie bei der KFZ-Haftpflichtversicherung. Will kein Unternehmen einen Vertrag mit dem Kunden eingehen, wird im Rotationssystem zugewiesen. Da seitens der österreichischen Banken diesbezüglich wenig Interesse besteht, wird eine Regelung auf europäischer Ebene angestrebt.

Quelle: Das Recht auf ein Girokonto als Bestandteil adäquater Daseinsvorsorge? (Diplomarbeit, pdf)

Online seit: 15.12.2010

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